Positive Psychotherapie (Dr.med.N.Peseschkian)

Die Positive Psychotherapie ist eine Methode im Rahmen der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie, die von zahlreichen Institutionen anerkannt wird (u. a. Landesärztekammer Hessen, Europäische Gesellschaft für Psychotherapie (EAP), World Council for Psychotherapy (WCP), International Federation of Psychotherapy (IFP) sowie verschiedene nationale Körperschaften).

Sie integriert Elemente und Techniken verschiedener Psychotherapiemethoden und verwendet im Speziellen auch Geschichten und Lebensweisheiten aus verschiedenen Kulturen zur Anregung von Vorstellungsvermögen und Vorstellungsalternativen im Sinne eines ressourcenorientierten Vorgehens.

„Wenn dir das Leben eine Zitrone gibt, mach eine Limonade daraus!“

Hauptprinzipien

Die drei Hauptprinzipien in der Positiven Psychotherapie sind das positive, das inhaltliche und das strategische Vorgehen (Prinzipien der Hoffnung, der Balance und der Beratung):

Das Prinzip der Hoffnung findet sich vor allem darin, dass man nicht sofort versucht, eine Störung zu beseitigen, sondern zunächst erstmal in ihrem weiteren Kontext zu verstehen und ihre positiven Aspekte anzusprechen. Das Wort „positiv“ (von lat. „positum“) bedeutet hier „tatsächlich“, „vorgegeben“, „wirklich“ – die positiven Therapeuten wollen dem Klienten also helfen, die Störung transparent zu machen und ihren Sinn zu sehen (Grundfähigkeiten und Aktualfähigkeiten). Dementsprechend wird Krankheit umgedeutet. Beispiele:

Schlafstörung ist die Fähigkeit, wachsam zu sein und mit wenig Schlaf auszukommen.

Depression ist die Fähigkeit, mit tiefster Emotionalität auf Konflikte zu reagieren.

Schizophrenie ist die Fähigkeit, in zwei Welten zu leben oder sich in eine Phantasiewelt zu begeben.

Magersucht ist die Fähigkeit, mit wenig Essen auszukommen und sich mit dem Hunger der Welt zu identifizieren.

Panikattacken sind die Alarmsignale deiner inneren Alarmanlage die dich darauf hinweisen willen, das etwas in deinem Leben nicht passt.

Durch dieses Vorgehen geschieht ein Standortwechsel, nicht nur des Klienten, sondern auch des Umfelds. Erkrankungen haben somit eine symbolische Funktion, die Therapeut und Patient zunächst gemeinsam erkennen müssen. Der Klient erfährt, dass seine Symptome und Beschwerden Signale sind, seine vier Lebensbereiche in eine neue Balance zu bringen.
Das Prinzip der Balance: Konfliktdynamik und Konfliktinhalte. Die vier Qualitäten des Lebens sowie primäre und sekundäre Fähigkeiten. Trotz kultureller und sozialer Unterschiede und der Einzigartigkeit jedes Menschen kann man beobachten, dass alle Menschen bei der Bewältigung ihrer Probleme zu typischen Formen der Konfliktverarbeitung greifen. Thomas Kornbichler erklärt: Nossrat Peseschkian hat mit dem Balancemodell der Positiven Psychotherapie (einer innovativen zeitgenössischen Variante der Dynamischen Psychotherapie) ein anschauliches Modell der Konfliktverarbeitung in verschiedenen Kulturen formuliert

Körper, Sinne – Psychosomatik,
Leistung, Aktivität – Stressfaktoren,
Kontakt, Mitmenschen – Depression,
Fantasie, Zukunft, Weltanschauung – Ängste und Phobien.

Wenn wir durch Stressoren oder Mikrotraumatisierung in Bedrängnis geraten, können wir unsere Konfliktsituation in vier typischen Formen der Konfliktverarbeitung zum Ausdruck bringen:

körperorientierte Modi
leistungsorientierte Modi
beziehungsorientierte Modi
fantasieorientierte Modi

Diese vier Bereiche sind in allen Menschen angelegt; in der westlichen Hemisphäre liegen die Schwerpunkte oft mehr auf den Bereichen Körper/Sinne und Beruf/Leistung; im Orient dagegen in den Bereichen Kontakt, Fantasie und Zukunft (transkultureller Aspekt der Positiven Psychotherapie). Kontaktarmut und Fantasielosigkeit sind Gründe für viele psychosomatischen Krankheiten. Jeder Mensch entwickelt seine eigenen Präferenzen, wie er auftretende Konflikte verarbeitet. Durch die einseitige Ausbildung einer Form der Konfliktverarbeitung geraten die anderen in den Hintergrund. Diese Einseitigkeiten in den vier Qualitäten des Lebens führen zu acht typischen Modi der Konfliktverarbeitung, je nachdem, ob es sich um eine aktive oder passive Variante handelt:

Überkompensation im Körperkult (narzisstische Überwertigkeit des Körpers)
Dekompensation in die somatische Krankheit (Somatisierung, stoffgebundene Süchte, Risikofaktoren: Übergewicht etc.)
Überkompensation in Aktivität und Leistung
Dekompensation in Leistungs- und Konzentrationsstörungen
Überkompensation in die Geselligkeit
Dekompensation in die Einsamkeit
Überkompensation in Größenfantasien, Wahnstörungen usw.
Dekompensation in Sinnlosigkeitserlebnisse, Existenzängste usw.

Der Konfliktinhalt (z. B. Pünktlichkeit, Sauberkeit, Ordnung, Höflichkeit, Vertrauen, Zeit, Geduld) wird durch primäre und sekundäre Fähigkeiten beschrieben, die auf den Grundfähigkeiten Liebesfähigkeit und Erkenntnisfähigkeit basieren. Dies kann auch als inhaltliche Differenzierung von Freuds klassischem Instanzenmodell verstanden werden.

Das Prinzip der Beratung: Die fünf Stufen der Therapie und Selbsthilfe.

Die fünf Stufen stellen ein Konzept der Positiven Psychotherapie dar, innerhalb dessen Therapie und Selbsthilfe eng aufeinander bezogen sind. Der Patient und seine Angehörigen werden gemeinsam über seine Krankheit und individuelle Auswege informiert:

Stufe 1: Beobachtung, Distanzierung (Wahrnehmungsfähigkeit: die Fähigkeit, Wünsche und Probleme zum Ausdruck zu bringen)

Stufe 2: Inventarisierung (kognitive Fähigkeiten: Ereignisse in den letzten 5–10 Jahren)

Stufe 3: Situative Ermutigung (Selbsthilfe und Ressourcenaktivierung des Patienten: die Fähigkeit, von gesunden Anteilen und Erfolgen bei bisheriger Konfliktverarbeitung Gebrauch zu machen)

Stufe 4: Verbalisierung (kommunikative Fähigkeiten: die Fähigkeit, noch offene Konflikte und Probleme in den vier Qualitäten des Lebens zum Ausdruck zu bringen)

Stufe 5: Zielerweiterung (ethische und moralische Fähigkeiten des Patienten für die Zukunft: die Frage: „Was machen, wenn Sie keine Beschwerden und Probleme mehr haben, – welche Ziele haben Sie in den nächsten 3–5 Jahren?“)

Hilfe zum Standortwechsel: Ein Weg, die Ressourcen des Klienten zu mobilisieren statt beharrlich alte, bekannte Probleme zu wälzen sind Geschichten und Spruchweisheiten. Geschichten, Parabeln, Gleichnisse, Weisheiten erleichtern in der Positiven Psychotherapie den gedanklichen und emotionalen Standortwechsel – „Man kann auf seinem Standort stehen, aber man sollte nicht darauf sitzen bleiben.“

Gesund ist nicht derjenige der keine Probleme hat, sondern der der mit den unerwarteten Problemen des Lebens Flexibel umgehen kann.
(N.Peseschkian)


Hauptanwendungsgebiete:

Paarberatung, Familienberatung
Konfliktberatung
Ängste, Panikattacken
Burn-Out Beratung
Stressbewältigung
Depressionen